Dem Blattwerk des Vorjahrs hatte der Herbst allmählich das Leben ausgehaucht. So hing, und fiel, und lag es denn, und sollte sich nunmehr aus eigener Kraft nicht weiter rühren. Für einen langen Winterschlaf bettete das greise Jahr seine welken, braunen Gerippe zur frostigen Ruh‘.

So zogen die Tage und Nächte ins Land, während im Winterquartier geruhsam Kraft geschöpft wurde.

Allmählich ließ die Sonne ihr wohlig-warmes Feuer wieder länger überkopf der verschlafenen Überreste lodern. Behutsam versuchte sie das schlummernde Leben aufs Neue zu erwecken. Unaufhaltsam schoben die wachsenden Tage ihre Temperaturen immer weiter die Skalenleiter hinauf, bis endlich das Leben zögerlich ins neue Jahr blinzelte.

Vorsichtig, und gleichwohl kraftvoll, betritt der saftig-grüne Frühling die Freilichtbühne. Er darf das Ende der langen, kalten Nacht nun endgültig einläuten. Er lässt das Leben im sprießenden Blattwerk von neuem erblühen.

Das Alte; es ist nicht mehr. Es hat der Veränderung Platz gemacht. Und so konnte sie das Neue gebären. Doch bald wird auch das Neue seine Jugend verloren haben, um im greisen Alter abermals den Kreis zur Veränderung zu schließen.

– © Ben Bayer (23.3.2017)

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