Reisen bringt uns eine Welt näher, die voll ist mit hilfsbereiten Menschen, die einander unter die Arme greifen, die Menschen in Not unterstützen und die ganz allgemein einfach freundlich sind. Ganz anders etwa, als einen die allgemeine Stimmung in der Medienwelt glauben machen will. Reisen ist das Yang der persönlichen Erfahrung zum Yin der medialen Berichterstattung.

Die Antwort auf die Frage, wo wir Menschlichkeit finden, ist so simpel wie sie nur sein könnte, und wartet doch mit einer augenöffnenden Selbstverständlichkeit auf:

Wir finden die Menschlichkeit nicht in der Zeitung, nicht in der Glotze und kaum im Internet, sondern in den zwischenmenschlichen Begegnungen, eben besonders beim Reisen. Der Reisende, auf sich alleine gestellt, erscheint in den Augen anderer auf gewisse Weise hilfsbedürftig. Zudem ist er viel eher gezwungen, zwischenmenschliche Begegnungen herbeizuführen, und muss hierfür eine unbefangene Offenheit für das Neue an den Tag legen.

Wollt ihr eine ehrliche Antwort, fragt die Menschen selbst. Nicht primär die Medien. Und hierbei hilft das Reisen ungemein.

Ja, es gibt immer auch schwarze Schafe. Es gibt ihn noch, den Krieg, den Terror, den blinden Fanatismus. Es gibt nach wie vor Menschen, die ohne jeden Skrupel aus ihrer machtgeblendeten Gier heraus unzählige Menschen in den Tod schicken. Es gibt sogar noch jene sadistischen Exemplare der Gattung Mensch, die sich am Leid anderer ergötzen und diese daher mit genüsslicher Lust und großer Freude herbeiführen.

Aber es sind weniger. Es sind so unendlich viel weniger als beispielsweise noch zu mittelalterlichen Zeiten. Oder auch, als uns die Medienwelt glauben macht.

Dazu kommt, dass Menschen, die nach unseren Werten der Menschlichkeit unangebracht oder schlichtweg falsch handeln, es heutzutage meist unbeabsichtigt tun. Sie glauben an eine Sache und denken sie täten das Richtige, selbst, wenn zur Durchsetzung auch mal die ein oder andere Regel gebrochen werden müsse.
(Das ist ein Grund, weshalb man auch zum Beispiel sehr rechtslastigen Parteien nicht grundsätzlich den Mund verbieten kann…)

Es ist auch ganz allgemein so: Wir tun uns schwer das große Gesamtbild zu sehen. Oder sagen wir so, wir tun uns leichter darin uns von seiner Komplexität ablenken zu lassen.

Ein Beispiel. Begehen wir einmal im Monat ausnahmsweise eine kleine Ordnungswidrigkeit, einen kleinen Verstoß im Straßenverkehr, wir fahren zu schnell, weil wir nun eben mal mit besonderer Dringlichkeit rechtzeitig irgendwo ankommen müssen, wir gehen beim Fahren ans Handy, weil wir ja nur kurz ein Lebenszeichen geben und sagen möchten, dass wir später zurückrufen, kann das doch so dramatisch nicht sein. Oder?

Ein einziger Verstoß pro Monat und Autofahrer, das würde mit etwa 40 Millionen regelmäßigen Autofahrern in Deutschland etwa 900 Verstöße pro Minute machen! Natürlich auf die ganze Fläche Deutschlands verteilt, aber dennoch wirft diese Betrachtung gleich ein ganz anderes Licht auf die anfängliche Einschätzung.

So eine kleine Ausnahme läppert sich eben in der Masse.

– © Ben Bayer (31.1.2016)

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